two hearted man
RSS 2.0 RDF 1.0 Atom 0.3
2017
<<< August >>>
Mo Di Mi Do Fr Sa So
 010203040506
07080910111213
14151617181920
21222324252627
28293031   
Suchmaschine
Es wird in allen
Einträgen gesucht.
Statistik
Einträge ges.: 887
ø pro Tag: 0,9
Kommentare: 231
ø pro Eintrag: 0,3
Online seit dem: 05.12.2014
in Tagen: 985

Ausgewählter Beitrag

Schrittweise Entwicklung nach der OP

Hier ein kleiner Verlauf, wie sich nach der OP alles entwickelt hat.

Bevor ich zur eigentlichen OP komme ein paar interessante Dinge, die mir auffielen: 

Die erste drei Tage nach der OP habe ich getrunken, die Flüssigkeit verpuffte im Nichts. Nonstop, so viel wie noch nie. Trotzdem fühlte ich mich ausgetrocknet, trotzdem schien kaum etwas davon bei meinem Körper anzukommen. Auch die Nieren behaupteten, sie wären völlig ausgetrocknet. Seltsam. Aber das hat sich nach ein paar Tagen gelegt. 

Überhaupt muss der gesamte Organismus nach der OP erst einmal in Gang kommen. Mein letzter Krankenhausaufenthalt ist eeeewig her, daher erinnere ich mich nicht. Das Hirn ist nach der Narkose noch ein paar Tage offline (kurze Aussetzer, zB Wortfindung, Konzentration, Gedächtnis), der Darm hat keine Lust auf Arbeit, trotz Hitze funktioniert das Schwitzen noch nicht. Auch die Haut war scheinbar anders als sonst, die Pflegemittel wirkten nicht wie normal, und das sonst klebrige Testogel glibberte und ließ sich kaum auftragen. 

Essen und Trinken nonstop, der Körper behält alles, gibt nichts davon wieder her, absorbiert das einfach so, und trotzdem nahm ich nicht zu. Puh, faszinierend!

Zur Operation und dem Heilungsverlauf an sich:

Blutdruck, Puls, Schmerzen, dazu gibt es nicht viel zu sagen. Niedriger Blutdruck, sowohl ein paar Minuten vor der OP als auch die folgenden Tage. Puls immer im sportlichen Bereich. Schmerzmittel habe ich nicht benötigt, weder nach der OP noch die restlichen Tage. Spüre zwar, dass da was ist, komme aber gut damit klar, habe nicht gelitten und war erstaunlich schmerzfrei. WENN es mal zwickt und zieht bin ich dankbar, weil es mir meine Grenzen zeigt.

Freitag (OP-Tag):
sah und spürte nichts. Logisch wegen Narkose, Verband. Alles noch taub von der OP, den Schmerzmitteln. Kein Gefühl. Aber das war eh egal, mein restlicher Körper war zwar fit, das Hirn aber eh noch nicht ganz online. Der Tropf wurde sehr schnell abgenommen, mein Körper funktionierte super. Erster Toilettengang mit Hilfe pro forma zur Sicherheit, danach ging es eigentlich. Vieeel geschlafen. Angenehme Zwischenwelt ;-)

Samstag: 
Erst zur Visite wurde der Verband (Binder aus Klett, sehr straff) gelöst: auf den Nippeln jeweils ein großes, dickes, SEHR drückendes Druckpflaster. Alles festgedrückt, drumherum eine starke Schwellung. Und dank meiner sehr hellen Haut ein leuchtendes Hämatom auf der rechten Seite. Allerdings schon leicht verfärbt, hat also direkt nach der OP schon mit Heilen begonnen. Die Drainagen tun brav ihren Dienst. Die Narbe sieht sehr schön aus, mir gefällt die Schnittführung und Position sehr gut. Und sie ist schön dünn geworden. Ansonsten: Ich war mal kurz mit dem Aufzug unten im Café, aber das war es auch schon, hatte noch keine Lust auf Spaziergänge. Ich fühle mich zwar fit, aber die Drainagen nerven beim Gehen.

Sonntag:
es kommt langsam das Gefühl zurück. Noch immer geschwollen und leicht taub, aber bei Berührung spüre ich etwas. Noch nicht definierbar, aber immerhin. Ein gutes Zeichen. Die Drainagen können entfernt werden, weil nur noch sehr wenig Blut fließt. Die Schwester leistet super Arbeit, es tut überhaupt nicht weh. Ich war einem lieben Besuch nachmittags im Park des KH spazieren, abends mit meinem Zimmerkollegen noch eine Runde, das tat gut. Ich war nicht eingeschränkt, aber ich spürte doch meine Grenzen. 

Montag:
Ich bekomme die Kompressionsweste verpasst. Manche finden sie lästig, andere mögen sie. Sie scheuert unter den Armen (ich lege weiche Taschentücher um die Naht), ansonsten finde ich sie sehr bequem. Unter dem transparenten Pflaster sammelt sich langsam etwas Blut an der Narbe, aber das ist normal. Sieht grusliger aus, als es ist. Die Schwellung ist weiter da, das Hämatom funkelt fröhlich vor sich hin. Aber es kommt immer mehr Gefühl in den Brustbereich. Sogar angenehmer und erogener als vor der OP (vermutlich reine Kopfsache aufgrund der früheren Dysphorie). Bin acht Stockwerke ohne Aufzug gestiegen (Sportverbot hin oder her, acht Stockwerke sind kein Sport), ging zwar problemlos aber hab es doch mehr gespürt als sonst. An diesem Tag fing es an mit Kribbeln, Ziehen, Stechen und Jucken, das seitdem manchmal ganz schön lästig ist. Aber das ist ein gutes Zeichen, es heilt! :-)

Dienstag:
Bei der Visite wie gehabt alles top. Langsam zeichnet sich ab, dass ich unter den Achseln wohl Dogears haben werde (überstehende Hautlappen). Kann man korrigieren irgendwann. Kann sich aber auch rauswachsen. Passiert, können die Ärzte nix dafür. Kommt auch drauf an, wie ich die Arme positioniere und in welchem Winkel man drauf guckt. Sind an manchen Tagen heftig sichtbar, an anderen fallen sie gar nicht auf. Mit anderen Worten: wird im Alltag kaum jemandem auffallen, wenn ich nicht mit dem Finger drauf zeige. 

Mittwoch:
ich darf entlassen werden. Die Ärzte sind sehr zufrieden, ich auch. Und, surprise, surprise, die Druckdinger über den Nippeln kommen ab. Wie es drunter aussehen würde (nekrotisch? angewachsen?) wusste zuvor niemand. Aber, danke an die Ärzte und meinen Körper, alles top. Jaaa, es ist gruslig, schorfig, braun, aber es ist alles dran und gesund. Jetzt braucht mein Körper Zeit zu heilen. Schwellung, Hämatom, schorfige Nippel, blutige Narbe unterm transparenten Pflaster - yeah, da muss man schon Arzt sein um zu sagen "super, sieht gut aus". Aber das sagten auch mein Sportarzt und die Hausärztin später, sie waren sehr zufrieden. Und auch ich kenne ja genügend Vergleiche von anderen, sodass ich aus Überzeugung sagen kann "ich bin SEHR zufrieden" :-)


Zu Hause:

die Schwellung wird weniger. Die Haut und das Fleisch um die Nippel wird langsam schön rosa und sieht sehr gesund aus. Das Gefühl wird immer deutlicher, und es ist sehr angenehm. Es geht millimeterweise vorwärts, ich brauche Geduld, und die habe ich. Es zwickt und juckt stellenweise ganz schön heftig, das freut mich, weil es ein gutes Zeichen ist. Schmerzen habe ich nicht, aber ich spüre meine Grenzen (zB Drehgläser, Türen, bestimmte Bewegungen). 

Jetzt heißt es abwarten und pflegen. Cremen, ölen, massieren. Bepanthen zur täglichen Pflege, vor manchen Situationen (Schwimmbad) Vaseline zum Schutz. Täglich mit ein wenig Babyöl massieren, damit das Gewebe nicht verklebt und die Narbe schön durchblutet wird (aber erst, wenn der Schorf ab ist und nix mehr wehtut, zu früh drauf rumdrücken ist nicht gut). Kein UV-Licht, dieses Jahr nur im T-Shirt raus. 

Es dauert bis zu einem halben Jahr, bis es einigermaßen heilt, sagte der Arzt. Erst in rund einem Jahr werden die Narben blasser. Und noch danach dauert es, bis es immer weniger und heller wird. Ich werde damit leben können, wenn es nicht perfekt ist. Denn schon jetzt bin ich einfach nur glücklich, und selbst mit den krustigen Narben gefalle ich mir besser als je zuvor ... 

2heartedman 20.06.2017, 20.46

Kommentare hinzufügen

Die Kommentare werden redaktionell verwaltet und erscheinen erst nach Freischalten durch den Bloginhaber.











Kein Kommentar zu diesem Beitrag vorhanden