two hearted man
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Kein gewöhnlicher Mann

Ich hatte zu Beginn meiner Transition Angst, dass ich mich zu einem typischen Männerklischee entwickeln könnte. Diese Angst ist vergangen. Und ich freue mich über das Bild, das ich immer mehr verkörpere :-)


Mir war klar, dass die Entwicklung MEINE Entscheidung ist. Es ist MEINE Entscheidung, ob ich Baggyhosen und Baseballmütze trage, oder ob ich Herrenschuhe und Hemd trage. Ob ich Tunnel im Ohr habe oder lieber einen Schal als Accessoir trage. Ob ich ´ne digitale Plastikuhr trage oder eine edle Analoguhr mit sichtbarem Uhrwerk. Ob ich cool dahergelatscht komme und mich ausbreite, oder ob ich höflich und dezent auftrete. 

Irgendwie war im Hinterkopf trotzdem die Angst, dass ich zu einem Zerrbild werden könnte. Wer weiß, was Testo aus mir machen würde? Oder ob ich all die Dinge, die ich nicht ausleben durfte und nun leben darf nicht auf seltsame Weise Bahn brechen? 

Umso mehr freue ich mich, dass ich mich ganz in die Richtung zu entwickeln scheine, die mir schon in meiner Jugend vorschwebte. Natürlich fehlt noch Schliff und Stil. Ich kann nicht binnen weniger Monate lernen, wofür andere Männer 40 Jahre Zeit hatten. Aber ich arbeite daran. 

Und ich freue mich, wenn ich Klischees aufbrechen kann. Wenn ich meinen eigenen Stil lebe, selbst wenn es ungewöhnlich sein mag, selbst wenn andere das unmännlich finden. Aber ich mag das :-) 

Ich freue mich, wenn ich positive Rückmeldung auf Arbeit bekomme. Schon mehrere Male (verstärkt die letzten Wochen) hörte ich "also, ich wollte auf KEINEN Fall einen Mann, das hab ich extra gesagt! Aber Sie sind total anders als erwartet, und ich kann echt gut mit Ihnen, und das freut mich". Und in einem Fall sogar "ich glaube, dass ich vielleicht mein Bild überdenken muss. Und ich bin dankbar, dass die Kollegin SIE in den Fall eingespannt hat statt eine weitere Frau. Da habe ich wirklich etwas daraus gelernt". 

Würde ja nicht so weit gehen zu sagen, dass ich ein Frauenversteher bin (war ich noch nie und will es auch nicht werden. Sind geheimnisvolle Wesen, in deren Innenleben ich partout keinen Einblick habe). Aber ich habe eben doch Einblicke und Sozialisation, die mir helfen, mit Frauen anders klarzukommen als geborene Männer. Und durch mein optisch eher harmloses Auftreten scheine ich auch keine Bedrohung zu sein für Frauen. Das freut mich sehr. Der Gedanke, dass Leute meinetwegen die Straßenseite wechseln, wenn sie nachts alleine unterwegs sind, wäre traurig. 

Mag sein, dass andere Männer mich dagegen als leichte Beute sehen. Aber die haben sich geschnitten, denn ich weiß mich zu behaupten und meinen Mann zu stehen! Sobald sie erkennen, dass ich mich nicht provozieren lasse, beißen sie sich an mir die Zähne aus (schon mehrfach geschehen). Auch diese Männer müssen lernen, an ihren Vorurteilen zu arbeiten. Nur, weil ich klein bin und mit höherer Stimme spreche, heißt das nicht, dass ich zu allem Ja sage und mich ducke - von wegen! Ich habe gelernt mich zu behaupten!

Ich denke, dass ich inzwischen schon einige Weltbilder angekratzt habe. Manchmal durch mein Outing. Manchmal, weil ich ein Outing vermieden und die Grenzen dadurch gesprengt habe. Ich hoffe noch viele Grundfesten zu erschüttern :-)

2heartedman 14.05.2017, 21.27

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