two hearted man
RSS 2.0 RDF 1.0 Atom 0.3
2017
<<< Dezember >>>
Mo Di Mi Do Fr Sa So
    010203
04050607080910
11121314151617
18192021222324
25262728293031
Statistik
Einträge ges.: 937
ø pro Tag: 0,8
Kommentare: 240
ø pro Eintrag: 0,3
Online seit dem: 05.12.2014
in Tagen: 1107

Ausgewählter Beitrag

Checkliste Alltag - Was geht nach der Mastek

Hier ein paar Dinge, wie mein Alltag nun nach der Mastek aussieht. Ob und wie stark sie mich einschränkt :-)

Anmerkung: wird nach und nach ergänzt


Und unnötig zu erwähnen aber trotzdem mal wieder wichtig: betrifft natürlich nur mich. Die Jungs im Zimmer neben mir hatten teils ähnliche, teils andere Probleme. Jeder Körper reagiert anders, jeder bekommt einen individuellen Schnitt, jeder geht anders damit um. Kann wieder nur für mich sprechen:

Schraubdeckel:
no way! Aufstrich, Schokocreme, Marmelade, Wasser, Gurken, garnix. Und ich rede nicht von frisch verschlossenen Deckeln, wo jeder mal drücken muss. Sondern von denen, die schon offen waren. Aber allein die Drehbewegung, puuuuuh ...

Überkopf / Strecken:
unterschiedlich. Hängt ab von der Richtung, Höhe, Intensität. Leichtes Gewicht mit nach oben gestreckten Armen zB ja (dünne Backform vom Schrank herunterholen), leichtes Gewichte schräg überkopf nein (zB Ketchupflasche von weiter hinten im Regal). Manches Geschirr kriege ich so aus dem Schrank, für anderes muss ich auf den Tritthocker, und einiges geht gar nicht.

Busfahren:
Reisebus war okay, bequem, Gurt um den Bauch und Sitz gut gefedert. Stadtbus, Straßenbahn ist übel. Im Stehen festhalten, Bremsung, ruckartig mit dem Arm an der Stange halten geht gar nicht. Also Sitzplatz. Und, mir wurde zum ersten Mal bewusst, dass ein Stadtbus scheinbar keinerlei Federung hat. Bei jedem Ruckeln zieht es rauf in die Narbe. Dazu die Angst, dass irgendeiner im überfüllten Bus mit Rucksack sich dreht und mir das Ding auf die Brust drückt oder im Gedränge mir den Ellbogen reinrammt.

Autofahren:
Gurt um den Brustkorb ist schmerzhaft. Hatte ein Kissen davor und hielt die Hand dazwischen, klappte ganz gut. Die Fahrerin fuhr entspannt, ohne Ruckeln, danke. Aber ohne Hand, ohne Kissen, da drückt der Gurt ganz schön auf die Narbe. 

Fenster öffnen:
Drehbewegung am Hebel geht je nach Gewicht nur mit Verrenkung. Schwere Fenster kippen / gekippte Fenster schließen ist zuviel Gewicht auf dem Brustmuskel. Stellte mich auf einen Stuhl und drückte mit dem Knie dagegen, aber sowas geht halt nur alleine zu Hause ;-)

Türen öffnen:
noch immer ein großes Problem. Leichte Türen von mir weg ist machbar. Schwere Türen zu mir hin ist übel. Ich drücke dann mit dem Ellbogen den Griff (Drehbewegung leicht aua), dann ziehe ich zu mir hin (ganz viel aua), und dann mit dem Fuß rein und damit aufdrücken (sieht bescheuert aus). Besonders lustig: wenn ich vor der Tür stehe und es höflich wäre diese zu öffnen, ich statt dessen stehen bleibe und warte, bis die Person hinter mir öffnet (zB eine schwangere Frau, ein alter Mann). Kam schon vor, die Blicke waren sehr irritiert ;-)

Jalousie:
geht gar nicht, schlimmer als Tür. Zum Glück brauche ich das im Alltag auch nicht, nur am Küchenfenster zur Mittagssonne mal getestet ...

Wassersprudler:
interessant, wie sich plötzlich die Wahrnehmung ändert. Wie so etwas Banales wie ein harmloser DruckKnopf zu einem Hindernis werden kann. Die ersten Tage bat ich um Hilfe, momentan drücke ich beidhändig. Ein paar Tage, dann kann ich es auch wieder alleine ...

Schuhspanner (mit Metallspirale):
geht, aber ich verwende eine andere Technik als davor. Wie gesagt: seltsam, davor denkt man über so etwas gar nicht nach. Wen interessiert schon, welcher Muskel für welche Bewegung zuständig ist? Und überhaupt, wen interessieren Schuhspanner?

Kochen:
Schnippeln ohne Probleme, Rühren, kleine Töpfe heben auch. Nudeltopf mit 3 Litern Wasser abkippen nö. Backblech mit zwei Auflaufformen aus dem Ofen heben auch nicht. 

Kinder heben:
erstes Mal meine Nichte gesehen nach der Geburt. Süße Maus. Aber leider nicht hochheben :(

Kater heben:
Fühlt sich okay an (paar cm über Boden angetestet), aber sein Gewicht ist an der Grenze dessen, was der Doc mir vorerst erlaubt. Kam nach sechs Tagen heim und durfte ihn nicht heben. Er mag es nicht, auf dem Arm getragen zu werden, von niemandem. Außer von mir, ich habe nämlich eine spezielle Technik, und das liebt und genießt er und freut sich drauf. Aber sorry, Süßer, momentan nicht :(

Katzenklo säubern: 
krass, das geht nur teilweise! Vorne am Eingang okay. Hinten den Sand umschaufeln ist ein komischer Winkel, der trotz des eigentlich geringen Gewichts der Einstreu dazu führt, dass es ziemlich fies an der Narbe spannt. Natürlich kann ich auch den kompletten Deckel entfernen und mich dann von der anderen Seite hinter die Toilette stellen und es dann säubern. Aber muss ja nicht, ist eigentlich nicht meine Aufgabe, nur während meiner sturmfreie - Bude - Zeit ;-)

Mich kratzen:
Am Rücken gibt es Stellen, an die ich nicht mehr hinkomme (unterhalb des Schulterblattes). Vor der OP konnte ich mich überall kratzen, egal wo. Bin allerdings gelenkig und jammere hier auf hohem Niveau. Ich weiß, dass ich noch immer mehr Stellen erreiche als manch anderer ... 

Aufstehen:
Leute schlagen die Hände zusammen, wenn sie erfahren, dass ich mit Tatami und Futon quasi auf dem Boden schlafe, selbst ohne OP. Wie ich aufstehe?!?!? Äh, ganz normal? Ohne Hände? War nie ein Thema, stand schon immer auf, ohne mich abzustützen. >Sitting-Rising< ohne Probleme. Aber ich bevorzuge andere Techniken, meist seitlich oder aus dem Knien heraus.

Abstützen:
Abgesehen vom Aufstehen / Hinlegen gibt es ja weitere Situationen, wo man sich mal abstützt. Die Sitzposition geraderückt. Die Schlafposition wechselt. Im Stehen den Arm auf den Tisch stützt. Sich ans Fenster stellt. Oder oder. Anfangs absolut nicht möglich da schmerzhaft. Inzwischen begrenzt möglich. Hängt ab vom Winkel und Gewicht. Wird aber täglich besser :-)

Futon Rollen: 
Die ersten ein zwei Handgriffe sind möglich, erfordern weder Kraft noch Spannung. Aber am Ende, wenn die Rolle größer ist und ich sie anwuchten muss, geht es nicht. Naja, es geht schon, aber ohne Hände. Wofür hat man Füße, Beine und vollen Körpereinsatz? 

Räkeln: :(
Wenn ich morgens wach werde, ist leider nix mit Strecken, Dehnen und in alle Richtungen biegen. Das fehlt mir, das brauch ich zum Wach werden. 

Schlafen auf der Seite:
vorerst nicht möglich. Habe mir beim Motorradunfall (geprellte Schulter) damals allerdings eine Technik angewöhnt, die mir auch hier hilft. Dabei liege ich so, dass der Körper lediglich aufliegt ohne dass Gewicht auf die Matratze drückt. Trotzdem sind die Nächte noch sehr, sehr anstrengend. Auf dem Rücken zu schlafen ist nicht mein Ding, und diese Technik ist mir für den Nachtschlaf zu riskant (bewege mich sehr viel und könnte mir wehtun). Aber kurz ein Nickerchen ist möglich. 

Ankleiden: unten problemlos. Oberteile kommt darauf an. Weite Sachen problemlos. Für enge Hemden / Shirts aber lasse ich mir gerne helfen. Es geht zwar, ist aber seeehr fitzelig, und eine unbedachte Bewegung führt zu Stechen und Schmerz. Aber egal, daheim laufe ich eh nur mit Kompressionsweste durch die Gegend, für Shirt ist es zu warm. Ich hab mir das Zeug nicht abnehmen lassen, um es jetzt unter einem Shirt zu verstecken *höhö* ;-)


Zusammengefasst: 

ich könnte den Alltag ohne Hilfe bestehen (bin aber dankbar, dass ich das nicht muss und zwei liebe Menschen an meiner Seite habe). Aber viele Handgriffe dauern einfach länger, und ich muss mich manchmal ganz schön verrenken. Zu Hause kein Problem. In der Öffentlichkeit lustig. Im Job dagegen unmöglich, könnte den Leuten nicht helfen, benötige ja selbst noch Hilfe. 

Ich fühle mich gut, die Narben heilen super, mein Körper ist fit. Aber die Einschränkungen sind deutlich vorhanden, und die werden wohl auch noch eine gewisse Zeit bleiben. Außerdem spüre ich, dass mein Körper zwar fit ist, er aber trotzdem ein wenig gelitten hat. Mein Puls geht bei Hitze oder Bewegung schneller nach oben, ich bin rasch außer Puste. Ärgert mich etwas, ist aber normal. Meine Güte, ich habe eine Narbe von durchgehend rund 50 cm am Oberkörper, erwarte ich wirklich, dass mein Körper das ignoriert? Lächerlich! 

Der Sportarzt (angegliedert an meine Fitnessbude) letzte Woche lachte mich aus, als ich fragte, ob ich nach 4 Wochen wieder vorsichtig trainieren darf. Minium 6, noch besser 8 Wochen, vorher brauch ich gar nicht zu fragen, sagte er. Oooookay, wem will ich eigentlich was beweisen? Ich sollte mich endlich mal auf meinen Hintern hocken und versuchen zu entspannen. Das ist dringend nötig! :-)

2heartedman 20.06.2017, 16.40

Kommentare hinzufügen

Die Kommentare werden redaktionell verwaltet und erscheinen erst nach Freischalten durch den Bloginhaber.



Kommentare zu diesem Beitrag

2. von pluvia

Ja, total. Ich kann mir das nur so erklären, dass ich "Geburt" und "OP" als gleichbedeutend verstanden habe. Fühlst Du Dich vielleicht wie neugeboren? ;-)

vom 30.06.2017, 15.12
Antwort von 2heartedman:

Jaaa, in der Tat, ein völlig neues Lebensgefühl in so vielen Dingen ... 
es war wie eine Neugeburt für mich ... 
auch, wenn es nicht das war, was ich meinte *rofl*, aber sehr schöner Vergleich :-)
1. von pluvia

Als ich las "erstes Mal meine Nichte gesehen nach der Geburt" fragte ich mich für einen Moment, wessen Geburt Du meinst: ihre oder Deine. :-)

vom 22.06.2017, 23.08
Antwort von 2heartedman:

LOL und im Grunde sogar auch völlig egal. War ja irgendwie auch nach meiner Geburt das erste Mal :-)