two hearted man
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Rückblick 2018 - Ausblick 2019

Bevor ich jetzt ins das neue Jahr gehe, möchte ich gerne zurück auf 2018 blicken.

TRANS* / KÖRPER / GESUNDHEIT

Anfang des Jahres war mein Passing noch immer sehr schlecht. Privat und beruflich wurde ich noch immer sehr oft misgendert. Es führte zu sehr vielen Problemen, die ich kaum noch ertrug. Habe hier nur ansatzweise geschrieben, wie es mir ging. Aber diese Differenz aus Fremd- und Eigenwahrnehmung, vor allem auch die sozial entstehenden Konflikte hieraus sind nicht zu unterschätzen und für Außenstehende wohl kaum nachvollziehbar. Möchte das hier auch nicht weiter ausführen, aber es war schrecklich für mich. 

Ende 2017 bekam ich das erste Mal Spritze statt Gel, und Anfang des Jahres startete ich auch mit dem Mittelchen für den Bartwuchs. Ob es an einem davon lag oder an beidem zusammen, aber kurz danach ging es dann los mit dem Passing. Immer seltener wurde ich als Frau angesprochen. Und je mehr ich in meiner männlichen Rolle ankam, desto besser fühlte ich mich. Es ist eine körperliche Angelegenheit, aber vor allem auch eine psychische. Ich merke, wieviel Druck da von mir abfällt. Das Gefühl, endlich nach so vielen Lebensjahren auch nach außen hin ich selbst sein zu dürfen, ist unbeschreiblich. Egal wiesehr ich es versuche, ich finde keine Worte.

Testo hin oder her, mein Stimmbruch ist nicht gerade markant. Deswegen habe ich dieses Jahr Stimmtherapie genehmigt bekommen und durchgeführt. Die Stunden haben mir sehr viel geholfen. Sowohl hinsichtlich voluminöseren Klang der Stimme als auch persönlich bezogen auf Atmung, Körperhaltung und Einstellung. Die Stunden haben sehr gut getan, und ich kann das jedem nur ans Herz legen, unabhängig von Trans*. Stimme und Atmung ist ein Stück Lebensqualität und Identität, das wurde mir dieses Jahr bewusst.

Im August diesen Jahres habe ich angefangen, Medis für die Schilddrüse zu nehmen. War lange Zeit so ein Wackelzeugs, weil meine Werte im Grenzbereich liegen, so ein Fall von "kann man mal probieren, kann man aber auch lassen". Hormone sind nichts, womit man einfach so spielt, und bisher kam ich gut klar. Nachdem der Wert letztens allerdings kippte, begann ich vorsichtig zu testen und einzustellen. Weil das hier kein Medizinblog ist und ich nicht irgend etwas Falsches verbreiten oder Leute auf irgendwelche Gedanken bringen will, führe ich das mal nicht weiter aus. Aber soviel kann ich sagen: ein Schmerz, den ich niemals damit in Verbindung gebracht hätte (und den man auch eher selten bei den Symptomen liest) SCHEINT dadurch besser zu werden (ansonsten wäre es ein wirklich riesiger Zufall, der entgegen jeder Statistik geht). SOLLTE es tatsächlich zusammenhängen, dann ist das ein Stück Lebensqualität, das mir in den letzten vier Jahren immer mehr abhanden kam und mich im Alltag inzwischen massiv gequält hatte.

Außerdem habe ich den Eindruck, dass mit stabiler werdender Schilddrüse mein Testosteron auch noch einmal ganz anders wirkt. Es scheint noch einmal einen Zacken zusätzlicher Vermännlichung stattgefunden zu haben (subjektiv empfunden, Blutwerte deuten darauf hin aber sind kein Beweis da viele Ursachen möglich). Ich fühle mich seitdem in vielerlei Hinsicht körperlich und emotional stabiler, wacher, belastbarer, konzentrierter. Es ist schwer, so etwas an einem Punkt festzumachen und denke, dass einfach mein komplettes System (Schilddrüse, Testosteron, Nährstoffe, Blutwerte generell usw) besser läuft, seit ich da ein bisschen dran herumgeschraubt habe. Seitdem scheint mein Testobedarf auch höher zu liegen, ich verbrauche es wohl schneller und sacke schneller ab.

Ansonsten alles top. Habe mein Gewicht gehalten, war nie wirklich krank und fühlte mich weitgehend fit und stabil. Bin meinem Körper sehr dankbar, wie gut er mit dem ganzen Hormonchaos umgeht und dass er die Veränderungen so positiv aufnimmt.

Ich fühle mich so fit, dass ich dieses Jahr sogar einige Male bei der Plasmaspende war. Mein Körper verträgt das sehr gut, ich regeneriere sehr schnell, und die kurze Auszeit auf der Liege ist mit einer TV-Serie recht gechillt. Seit ich allerdings Schilddrüsen-Medikamente nehme, pausiere ich. Merke, dass mein Körper sich zwar verbessert aber scheinbar doch einige Heilungsprozesse in Gang kommen und ich immer mal wieder schlapp bin. Das ist ein Auf und Ab, da möchte ich dem Körper die zusätzliche Spende vorerst ersparen. Aber im nächsten Jahr geht es weiter!


WOHNEN 

Mein Expartner ist bereits Mitte 2017 augeszogen, wir hatten ja die gemeinsame Wohnung. Bis Anfang des Jahres hatte er noch Sachen bei mir, und bis dahin haben wir uns auch gelegentlich noch gesehen. Der Kontakt wird nun leider immer seltener, aber solche Dinge gehören nicht hier in den Blog. 

Dafür wohnt seit Dezember 2017 meine Partnerin offiziell auf dem Papier bei mir, und im April diesen Jahres nun zog sie endgültig bei mir ein. Die Wohnung hat sich seitdem sehr verändert, sowohl von der Einrichtung her wie auch die Ausstrahlung. Sie strahlt eine Gemütlichkeit und Wärme aus, die es davor nicht hatte. Auch Gäste fühlen sich sofort wohl und merken deutlich den Unterschied. Sogar der Kater ist jetzt richtig gechillt ;-)

Das Zusammenwohnen mit ihr ist ganz anders als in meiner Beziehung zuvor, man kann es nicht vergleichen. Wir haben sehr gute Lösungen gefunden bezüglich Haushalt und Kosten, das läuft wie von selbst und ist für beide zufriedenstellend. Und obwohl die Wohnung genauso groß ist wie zuvor empfinde ich sie jetzt als größer und geräumiger. Sie bietet mehr Rückzugsorte, sodass wir uns nicht "auf der Pelle hocken" und gut entspannen können. 

Überhaupt ist es uns beiden ein Anliegen, die Wohnung zu entrümpeln. Dafür machen wir keinen großen Aufwand, sondern es ergibt sich. Hier werfen wir was weg, dort wird etwas verschenkt, dort verkauft. Je weniger rumsteht, desto weniger muss abgestaubt oder drumherumgewischt werden und desto weniger Ballast gibt es in unserem Leben.


SOZIALES / FAMILIE

Es gibt zwei Freundschaften, die ich schon vorher hatte, die aber dieses Jahr noch mehr intensiviert wurden. Ich bin dankbar, diese Menschen an meiner Seite zu wissen. 

Seit Anfang des Jahres besuche ich einen Männerstammtisch. Fühle mich sehr wohl dort, mag die anderen Teilnehmer und finde die Themen meist sehr spannend. Ich bin dort ungeoutet (es gibt allerdings Leute, von denen ich vermute, dass sie es entweder wissen oder ahnen, auch wenn es noch nie Thema war). Es tut mir gut, unter Männern zu sein, ich fühle mich dort endlich angekommen und spüre bei jedem Treffen, wie richtig ich mich als Mann endlich fühle. Es ist hilfreich für mich, wenn ich höre, welche Themen andere Männer beschäftigen. Und finde es spannend, die unterschiedlichen Lebenswelten zu vergleichen. 

In Sachen Netzwerk habe ich ebenfalls sehr viele Kontakte geknüpft. Vor allem durch meine Öffentlichkeitsarbeit bin ich in viele verschiedene Kreise geraten, die untereinander vernetzt sind. Auch nebenan.de ist toll, um sich mit anderen auszutauschen wenn man etwas braucht oder anbieten kann. Ich habe dieses Jahr keinen Mangel empfunden, denn wenn ich es nicht hatte, gab es immer jemanden, der es mir geben konnte. 

Familie, naja. Das Übliche eben. Wir kommen gut miteinander klar. Was wohl daran liegt, dass jeder seiner eigenen Wege geht. Ich habe dieses Jahr meine Oma besucht, davon habe ich im Blog berichtet. Mit meiner Mutter ist noch immer kein Kontakt (aber das ist kein Thema für einen öffentlichen Beitrag). 

Dafür fühle ich mich sehr wohl in der Familie meiner Partnerin. Ich wurde schon letztes Jahr sehr herzlich aufgenommen, gehöre dazu und bin immer willkommen. Weihnachten in der Familie, Familienfeiertage oder solche Sachen, das war mir bis dato völlig fremd und ist für mich eine ganz neue Welt. Ich bin dankbar dafür und freue mich.


BERUFLICH / FINANZIELL

Anfang des Jahres habe ich meinen Nebenjob im Projekt beendet. War eine spannende Erfahrung. Aber war auch gut, als es vorbei war, es hat alles seine Zeit. 

Im Hauptjob bin ich nach wie vor sehr zufrieden. Ich mag meine Kollegen, mein Umfeld, meine Kunden, meine Tätigkeit. Es erfordert sehr viel Flexibilität von mir, und das hat mir stellenweise viel abverlangt. Aber ich bin daran gewachsen und immer wieder erstaunt über mich selbst. Ich bin dankbar für diesen Job, der mir durch die Teilzeitarbeit und die flexible Gestaltung so viel Freiraum lässt, mein Privatleben individuell zu gestalten. 

Im Nebenjob bin ich noch immer mit meinem Kumpel auf Streetwork. Wir verstehen uns prima, sind ein tolles Team. Es macht einfach Spaß, und es ist Teil meines Netzwerkes, das ich sehr schätze. 

Ab Mai hatte ich dann für ein paar Monate das Theater. Proben und Aufführungen, dafür gab es auch ein bisschen Geld. Aber vor allem ging es um die Erfahrung, die ich dabei gesammelt habe. Spannend, wie es hinter den Kulissen zugeht! Endlich wieder das Gefühl von Rampenlicht und Bühne, das hatte mir seit meinen Tagen als Musiker gefehlt und tat gut, ich liebe diesen Adrenalinkick. Auch der kulturelle Anteil war Balsam für die Seele, ich habe es sehr genossen. Und dann natürlich auch der soziale Aspekt, mich ungeoutet zwischen einer großen Gruppe von Männern zu bewegen (was zu einigen spannenden Situationen führte).

Ehrenamt habe ich dieses Jahr auch begonnen. Aber das zähle ich gleich zur Öffentlichkeitsarbeit ;-)

Finanziell passt alles. Ich habe nur einen Teilzeitjob und arbeite nicht gerade im bestbezahltesten Bereich. Aber zum Leben reicht es auf jeden Fall. Und dann ist da noch der Nebenjob, das Theater, hier mal ein paar Euro für eine Aushilfstätigkeit. Und die Plasmaspende. Oder ich bekomme mal etwas etwas geschenkt (Foodsharing oder mit Freunden teilen). 

Ich bin dankbar, dass durch diese Zusatzeinnahmen immer ein paar Extras drin sind. Etwa dass ich auch mal Essen gehen war oder mir selbst kleine Geschenke machen konnte (Trampolin, Uhr, Mangas ua). Auch für Mode und Accessoires hatte ich genug (es klang ja schon oft im Blog durch, dass ich recht eitel geworden bin). Spontan unerwartete Ausgaben (nach kaputt) wie etwa Brille oder Handy konnte ich stemmen. Und am meisten freut mich, dass ich genug habe für andere, sei es an Geburtstag, Weihnachten oder einfach weil ich gerne teilen möchte.

Ich denke, ich lebe so ein Mittelding. Empfinde mich als eher sparsam. Viel über Tausch und Sharing, außerdem nutze ich viele Flatrates und bekomme gelegentlich Rezensionsexemplare. Fahrrad und Öffis (eingeschränkte Zeiten sind nochmal günstiger) ist natürlich auch billiger als Benzin. Vieles mache ich selbst (grade beim Essen kann man damit nochmal deutlich sparen). Leitungswasser ist gesünder und billiger, Rauchen und Co fällt eh weg. Meine Hobbies kosten nicht viel (außer Flatrate und Fahrradreparaturen). Durch die deutlichen Einsparungen in diesen Bereichen habe ich dann die Möglichkeit, mir hier und da immer mal wieder etwas zu gönnen, und das tue ich dann auch mit Genuss. 

Für Außenstehende mag es dadurch so aussehen, als würde ich viel ausgeben. Aber am Monatsende bin ich selbst immer wieder baff, wie gut ich über die Runden kam und wie wenig ich ausgegeben habe. Trotzdem möchte ich versuchen, etwas mehr zu sparen. Ich will nicht auf alles verzichten. Aber es gibt schon ein paar Ausgaben, die nicht nötig wären. Daran arbeite ich noch ;-)


ÖFFENTLICHKEITSARBEIT

Ich war als Teilnehmer bei Veranstaltungen und Vorträgen. Noch nicht allzu viel, aber schon mal eine Möglichkeit, hineinzuschnuppern. Ich stelle fest, dass mir das eher schwerfällt. Vielleicht lerne ich es noch, vielleicht werde ich das zukünftig sein lassen. Mal sehen, was sich ergibt. Ich werde mich zu nichts zwingen. 

Ich habe Kontakt mit einigen Einrichtungen, die sich aktiv in der queeren Szene betätigen. Teils ehrenamtlich, teils hauptberuflich (die Einrichtungen, nicht ich). Unter anderem rede ich viel mit Sozialarbeitern, Pädagogen, Ehrenamtlichen. Beantworte Fragen, gebe Hilfestellung, vernetze und leite weiter. Es ist offensichtlich, dass in unserer Stadt ein großer Bedarf an Beratung gegeben ist, doch die ist noch nicht installiert. Da ich viele Kontakte habe und gut vernetzt bin, stehe ich gerne als Ansprechpartner zur Verfügung und freue mich, wenn ich helfen kann. Allerdings nur so viel, wie es mir ohne Bezahlung möglich ist (ich setze hier klare Grenzen, wenn ich das Gefühl habe, dass ich eine Arbeit leiste, für die man eigentlich jemanden anstellen und bezahlen müsste, denn ich will mir nicht selbst das Wasser abgraben). Auf diese Weise mache ich aber auch auf den Bedarf aufmerksam und hoffe, dass endlich einmal jemand reagiert ;-)

Seit April gehe ich auch in Schulen / Zentren ua, wo wir Aufklärungsarbeit leisten. Der Workshop verläuft immer unterschiedlich, je nachdem, welche Themen die Schüler (oder Lehrer oder Studenten, je nach Gruppe) mitbringen und welche Fragen sie stellen. Gelegentlich sind das dann auch Themenvorträge, zB über Diskriminierung, manchmal geht es rund um LGBTIQ*, ein andermal fast nur um Trans*. Manchmal kommen die Leute, weil gerade Schuljahresende ist und die Lehrer ´ne Auszeit wollen. Es kommen auch Lehrer, wenn in der Klasse aktuell ein Outing ansteht und sie Unterstützung wollen. Manchmal macht es riesig Spaß, wenn die Leute mitarbeiten und alles wie von selbst läuft. Und manchmal ist es verdammt anstrengend. Aber bisher hatten wir sehr viele tolle Erfolgserlebnisse.

Der Verein, über den die Workshops laufen, gehört zur Regenbogen-Community. Auch hier also sehr viel Netzwerkarbeit. Ich habe dort an Veranstaltungen teilgenommen. Sie führen Gedenkveranstaltungen durch, Mahnwachen, Demonstrationen, es gibt gemeinsame Aktivitäten. An manchem beteilige ich mich (weil ich es für wichtig halte, und weil ich die Community mag), von anderen bleibe ich fern (zu viele Angebote für meine begrenzte Zeit, und ich mag keine Menschenmassen). 


SPORT / FITNESS

Mein Gewicht habe ich schon mal gehalten, das ist gut ;-)

Fitnessbude war dieses Jahr eher wenig. Ich wollte wesentlich öfter gehen. Aber es war sehr viel los, und ich hatte mit einigen Problemen zu kämpfen. Nach Jahreswechsel war ich kurz vor (? wo ist die Grenze) der Depression und wollte einfach nicht mehr vor die Tür, ich habe mich soweit als möglich daheim verbunkert. Und dann war es mir körperlich stellenweise kaum möglich zu trainieren (siehe oben: unerklärliche Schmerzen, die durch Training nicht besser wurden sondern jede Bewegung zur Belastung werden ließen). 

Mir wurde beruflich und privat sehr viel Flexibilität abverlangt, kein Tag wie der andere. Für Training ist mir Regelmäßigkeit das A und O, ansonsten raffe ich mich nicht auf. Diese Regelmäßigkeit war dieses Jahr nicht möglich. Mal war es der Körper, der "nö, vergiss es" sagte. Dann waren es die Kundentermine, dann konnte ich mich nicht aufraffen und wollte nicht aus dem Haus, ein andermal war ich zeitlich viel zu vollbepackt mit Workshop Theater Überstunden Arztterminen Hauptjob Freundeskreispflege.

Ich hoffe, dass es nächstes Jahr besser wird. Klar ist "fehlende Regelmäßigkeit" eine Ausrede. Im Gegenteil könnte regelmäßiges Training vielleicht sogar wieder eine gewisse Routine schaffen. Aber meine Prioritäten dieses Jahr lagen bei anderen Punkten. Das ärgert mich, aber so ist es eben, ich würde die Prioritäten erneut genauso verteilen.

Untätig war ich trotzdem nicht. Nahezu alle Termine habe ich zu Fuß, mit dem Tretroller oder Fahrrad erledigt. Und mein Tempo hierbei ist nicht unbeachtlich, dieses Jahr habe ich in vielerlei Hinsicht auf der Überholspur verbracht. Ich gehe zwar nicht Laufen, aber meine Ausdauer kann sich sehen lassen. Bewegung und Ausdauer hatte ich sehr, sehr viel. Muskulös bin ich dieses Jahr nicht geworden, aber meine Fitness kann sich auf jeden Fall sehen lassen.

Gegen Ende des Jahres habe ich Minitrampolin für mich entdeckt. Seitdem stehe ich oft auf der Matte, mal zum Schwingen und Chillen, wenn mir etwas wehtut oder ich einfach ein bisschen Cool-Down benötige oder morgens wach werden will. Und manchmal für anstrengenden, anspruchsvollen Ausdauersport. Ich liebe dieses Teil und bin zum absoluten Trampolin-Fan geworden. Das empfinde ich nicht als Sport der Anstrengung, sondern als willkommende Abwechslung im Alltag.

Gerne wäre ich schwimmen gegangen. Aber das war dann ein Zeitproblem (oder, Zeit aka Priorität. Anderes war mir wichtiger). Vielleicht schaffe ich es ja im neuen Jahr, gelegentlich ein paar Bahnen zu ziehen.


HOBBIES

Dieses Jahr hatte ich ständig Termine. Man könnte meinen, dass da keine Zeit für Hobbies war. Tatsächlich habe ich recht wenig gebloggt. Gerne hätte ich mehr von meinen Erlebnissen und Eindrücken erzählt. Aber es war eben an der Zeit, das Leben zu leben, nicht es zu erzählen ;-) 

Gelesen habe ich nicht allzu viel, trotzdem habe ich mir auch hierfür Zeit genommen. Und immer häufiger nutze ich Spotify auch für Hörspiele und Hörbücher. Spare mir also den Weg in die Bücherei oder den Umweg über Tauschticket / Leihgaben und kann direkt auf neueste Titel zugreifen. Habe also in dieser Hinsicht wieder jede Menge tolle Titel erleben dürfen. 

Dank Spotify und Prime habe ich Zugriff auf mehr Filme und Serien, als ich jemals sehen kann. Habe also auch hier jede Menge Titel genießen dürfen. Mein Pegel an Lesen, Hören, Sehen war also dieses Jahr insgesamt wieder recht ordentlich ;-)

Musizieren war mir immer ein Anliegen, bedeutet mir sehr viel, kam aber auch dieses Jahr wieder zu kurz. Nicht, weil ich keine Lust darauf habe, sondern weil anderes eben Vorrang hat. Musizieren ist etwas, das genauso wie Sport einer gewissen Routine bedarf (für mich), und die fehlte einfach. Außerdem macht es alleine keinen Spaß, für eine Band fehlt mir einfach die Zeit. Schade. 

Auch hätte ich gerne einen Philosophie-Kurs besucht, zwei Anläufe gab es dieses Jahr, beide Male habe ich dann kurz zuvor gesagt "klappt nicht". Aber sie finden fortlaufend statt, und vielleicht klappt es nächstes Jahr. Dito Tanzkurs, der auf Eis liegt für "wäre nett, irgendwann eines Tages mal". Oder Städtetrips und Vespatouren, auch die sind nicht vergessen.

Aber ALLES im Leben integrieren geht einfach nicht. Beziehung, Hauptjob, Nebenjob, Ehrenamt, Netzwerk, Sport, Lesen, Filme, Kultur, Freizeit, das ist schon ordentlich. Da wären zusätzlich Schwimmen, Musizieren, Philosophiekurs, Sprachunterricht, Tanzkurs, Vespatouren einfach zuviel, so gerne ich das auch tun würde ;-)


KULTUR REISEN

Anfang des Jahres waren meine Partnerin und ich zusammen mit meinem Expartner und dessen Freundin in London. Ich liebe diese Stadt und kann nicht genug davon bekommen. Es waren kostbare Eindrücke, die ich nicht vergessen werde. 

Zweimal war ich im Kino: BOHEMIAN RHAPSODY und MORTAL ENGINES. Ich wäre ja gerne öfter, aber inzwischen sind die Preise wirklich Wahnsinn. Programmkino ums Eck ist nicht so mein Ding (solche Titel sehe ich zwar gerne, aber da muss ich kein Geld ausgeben und sitze lieber gemütlich auf dem Sofa). Und die Blockbuster mit Megawumms und 3D und tollem Sound kosten bei uns inzwischen um die 15 Euro, das ist wirklich nichts für "schnell mal nebenbei" sondern ein lange im Voraus geplanter Abend. 

Ich habe auch viele Veranstaltungen und Vorträge besucht. Darunter queere Themen wie Nollendorf, Zaunfink, Balian Buschbaum, Jill Deimel, Dr Lied, Ralf König, eine Debatte über Biologismus und Genderwahn. Besuchte Themenabende über Sexismus, Männerprobleme, Methodisches Arbeiten. Habe den Bingo-Abend eines queeren Kleinkünstlers besucht. Habe eine Eintrittskarte zu einem Musical vor Ort gewonnen. Ich war auf zwei Weihnachtsmärkten, auf dem Burggrabenfest, auf dem Frühlings- und Herbstfest, auf dem Altstadtfest. War bei zwei Vespatreffen. Und habe einen spannenden Vortrag über Psychopathen in unserer Gesellschaft besucht. 


SONSTIGES

Zero Waste, Foodsharing, Clean Eating, Nachhaltigkeit und Minimalismus waren für mich dieses Jahr große Themen. Klar, noch immer nutze ich Plastik, kaufe ungesunde Lebensmittel oder gönne mir irgendein sinnloses "Rumstehzeug", aber mein Bewusstsein wird immer mehr geschärft, und ich konnte schon vieles in meinem Leben ändern und umstellen. Ich empfinde das als großen Gewinn für mich. Fehler kann ich mir recht gut verzeihen, weil "von heute auf morgen" nicht möglich ist. Umso mehr freue ich mich über die Erfolge und sehe sie als Motivation für die Zukunft. Und ich bin froh, dass meine Partnerin da mitzieht und diese Einstellung teilt.


FAZIT

Natürlich gab es Negatives und Positives. Vor allem das Schmerzproblem dieses Jahr war heftig. Und dann natürlich die Phase zu Beginn des Jahres, wo mein Passing mir noch immer den Alltag versaut hat. Beides hat ziemlich an der Kraft gezehrt. Und ein paar private Themen, die ich hier nicht weiter ausbauen werde (Beziehung, Familie gehört nicht hierher). 

Insgesamt kann man sagen, dass dieses Jahr extrem chaotisch war. Weitgehend positiv, aber dennoch chaotisch. Die Termine gaben sich die Klinke in die Hand, und stellenweise kam ich kaum hinterher. Ich habe das Gefühl, dass auch die Hormonumstellung viel dazu beigetragen hat. Klar nehme ich seit Silvester 15/16 Gel, aber ab der ersten Spritze gab es noch einmal einen richtigen Schub, und seit der Schilddrüse noch einmal. Terminlich / sozial / beruflich / beziehungstechnisch, aber eben auch körperlich war es also ein ständiges Auf und Ab. Jeder Tag brachte etwas Neues, ich konnte nicht planen. 

Manchmal hatte ich gar keine Zeit zum Durchatmen. Keine Lust, keine Kraft, egal, keine Möglichkeit zur Pause. Vielleicht war das gut, denn ich konnte mich nicht hängenlassen. Vielleicht war es schlecht, weil ich dadurch wenig auf mich selbst geachtet habe. Umso mehr habe ich mir Ende des Jahres ab November etwas Rückzug gegönnt. Es fällt mir schwer "stop" zu sagen, aber es tut gut. 

Dieses Jahr habe ich vor allem eines gelernt: "Lebe den Moment. Mach das Beste draus. Scheiß auf Pläne, das Leben wirft sie eh wieder über den Haufen". Für einen Menschen wie mich (strukturiert, verplant, ordentlich, Listen für alles im Leben) ist das eine große Herausforderung, und manchmal hätte ich schreien können, wenn mir das Chaos über den Kopf wuchs. Dafür habe ich aber sehr viel mitnehmen dürfen, das mir sonst entgangen wäre. Und wenn mir wirklich mal nach Schreien oder Heulen war, dann hatte ich Freunde, die für mich dawaren.

Ausweis, OP, Outing, das war ab 2014 nach und nach. Aber von der Umwelt als Mann empfunden wurde ich erst ab Mitte diesen Jahres. Es ist also quasi das erste Jahr, in dem ich auch von Fremden als Mann behandelt wurde. Ein völlig neues Lebensgefühl, das mich vor neue Herausforderungen stellt. Mir war klar, dass dieses Leben mein Ziel, mein Wunsch ist. Mir war klar, dass ich es lieben würde. Aber WIE gut es sich anfühlt, und wie frei ich mich jetzt endlich fühle, das hätte ich niemals zu träumen gewagt.

Aber nicht nur das Passing - auch sonst bin ich durch und durch zufrieden. Ich habe dieses Jahr subjektiv soviel Zufriedenheit und Dankbarkeit erlebt wie noch nie. Es ist weniger eine Sache der Umstände, sondern vor allem der Einstellung. In mir drin hat sich etwas verändert, das ist dieses Jahr gewachsen, und ich freue mich über diese Entwicklung. 

Dankbarkeit, Zufriedenheit, Glück - das war von Kindheit an immer mein Ziel. Und das habe ich dieses Jahr erreicht. 


AUSBLICK

Wie soll es 2019 weitergehen? Keine Ahnung! Pläne habe ich keine. Weil es ja eh ständig anders kommt als geplant. Ich möchte weiterhin dankbar, zufrieden und glücklich sein. 

Trotzdem gibt es ein paar Dinge, die eventuell anstehen. Denn so ganz erleuchtet bin ich natürlich nicht, da fehlt schon noch ein bisschen. Außerdem ist es schön zu träumen oder ein Ziel zu verfolgen. Immer nur von einem Tag zum nächsten dümpeln ist mir zu langweilig ;-)

Ich hoffe, dass ich um eine weitere OP herumkomme. Allerdings muss ich abwarten, wie sich das mit dem Östrogen entwickelt. Bisher hat es mir ständig einen Strich durch die Rechnung gemacht, und manchmal war ich gefühlt kurz davor, mir das Zeug selbst aus dem Leib zu reißen, so unerträglich wurde es mir. Ich will allerdings noch ein paar Dinge versuchen, woran das liegen könnte. Und falls ich den Hormonspiegel in den Griff bekomme und das Ö endlich mal auf den männlichen Wert zurückgeht und dort bleibt, erspare ich meinem Körper unnötige Strapazen. 

Und beruflich habe ich auch einen Wunsch. Wie oben bereits geschrieben gibt es in der Region einen großen Bedarf an Beratungsarbeit. Ich bin gut vernetzt, kenne viele Einrichtungen und bin auch politisch engagiert. Denke, ich bin beruflich dafür qualifziert durch meine Vorerfahrung und halte mich auch privat für geeignet (habe eigene Erfahrung, die hilfreich ist, kann meine eigene Situation aber auch professionell vom Job distanzieren). Bin nicht der Typ, der sich selbständig macht, daher bin ich auf einen Träger angewiesen. Wenn es soweit ist und eine solche Stelle geschaffen wird (das ist nur eine Frage der Zeit, "dieses Jahr" ist durchaus realistisch), dann hoffe ich dabei zu sein. Möchte helfen, die Stelle aufzubauen, zu organisieren. Und dann möchte ich diesen Job antreten, mich engagieren und Öffentlichkeits- und Beratungsarbeit nicht als Ehrenamt sondern beruflich leisten, möchte Menschen Hilfestellung bieten und auch politisch etwas auf den Weg bringen. Und, wenn ich schon beim Wünschen bin: ich hätte das gerne als Stelle für 15 h im Monat, damit ich den anderen Job weiterhin ausüben kann und noch etwas Freizeit für mich bleibt. 

Danke :-)

2heartedman 30.12.2018, 17.37

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