two hearted man
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OP - Die Zeit davor und danach

Naja, zur OP kann ich natürlich nichts sagen. Habe zum Glück nichts davon mitbekommen. Aber das Drumherum möchte ich gerne hier schildern ;-)

(Anmerkung: ich springe mal wieder in der Zeitform mit Gegenwart, Vergangenheit. Kann es nicht lassen, abhängig von der für mich empfundenen Intensität d Erzählten. Keine Lust, das jetzt groß zu korrigieren im Text, ist halt so, einfach drüber weglesen, das ist künstlerische Freiheit ggg)

Am Donnerstag ins Krankenhaus: Papierkram, Gespräch mit der Anästhesie, Rumflitzen im Gebäude von hier nach da. Dabei einen jungen Mann gesehen, der mit den beiden Begleiterinnen über Mastek sprach. Klinkte mich ein, er hat am gleichen Tag OP wie ich, und wir hofften uns am nächsten Tag ein Zimmer zu teilen.

Leider durfte ich nicht im Hotel übernachten. Ich verstehe nicht ganz warum. Denn ein Mitpatient durfte bleiben, Begründung "zu weite Anreise". Er hatte nur die Hälfte meiner Strecke. Egal, das Hotel war gut erreichbar mit den Öffis, und das Zimmer kostete nur 29 Euro. Weil überbucht war, hatten sie kein Einzelzimmer mehr. Ich bekam also für 29 Euro ein riesiges Doppelzimmer mit TV, wundervollem Inventar, sehr sauber und gemütlich. Kann nicht klagen. Direkt neben dem Hotel ein veganer Cigköfte-Laden. Ich holte mir also Futter to go und machte es mir im Zimmer mit einem Film gemütlich. Ich hatte mir rund 10 Hörbücher und 25 Filme offline auf mein Gerät geladen, sicher ist sicher ;-)

Im Vorgespräch mit Termin hieß es, ich solle um 9 Uhr kommen. Am Vortag, beim Anästhesiegespräch, sagte man mir, ich solle schon um 7 Uhr einchecken. Ich war am Freitag überpünktlich schon gegen 06.30 da, und es hieß, ich würde schon überall gesucht, ich solle gleich in den Keller zur OP-Vorbereitung. 

Ich wollte aber erst meine Tasche unterbringen! Die würde man mir ins Zimmer bringen, hieß es. Aber, sorry, nein! Mein Geldbeutel, Handy, Tablet, meine privaten Dokumente und intimen Arztbriefe und Gutachten, unabgeschlossen durch zig Hände irgendwo auf irgendein Bett in irgendeinem Zimmer? Ich quengelte, bis man mir mein Zimmer nannte. Auspacken konnte ich nicht, aber immerhin meine Wertsachen in einen Safe mit digitalem Zahlenschloss sperren. Jetzt war ich beruhigt ;-) 

Außerdem hatte ich im Zimmer kurz den Bettnachbarn gesehen. Wirkte sehr sympathisch! 

Dann stand ich um 06.45 in der OP-Vorbereitung. Netzhöschen, offener Kittel. Man sagte mir, ich sei als erster dran, um sieben Uhr sollte es losgehen. Ich wartete am Ende bis kurz vor neun. Keine Ahnung, ob ich mich zuvor verhört hatte, oder ob die Schwester sich vertan hatte, egal. 

Beruhigungsmittel brauchte ich nicht. Ich war gespannt, aber nicht aufgeregt. Blutdruck erstaunlich niedrig, Puls dito. 

Also setzte ich mich gemütlich in den Schneidersitz und begann ... nein, meditieren nicht, aber so ähnlich ... ach, ich habe kein Wort dafür, egal. Einatmen, Ausatmen, mich auf das Wesentliche konzentrieren. Hatte in dem Moment das Bedürfnis nach einer Affirmation und musste nicht lange überlegen. Das Ergebnis wird gut / schön - zu schwammig, was ist das, und wäre ich danach überhaupt zufrieden? Keine Schmerzen - ne, damit komme ich klar, solange alles gut ist und der Körper damit arbeiten kann. Ich bin zufrieden mit dem Ergebnis - perfekt. Das liegt allein an mir, das hat nichts mit dem Arzt zu tun oder mit dem Ergebnis, sondern das kommt nur von mir. Es ist mir egal, ob es anderen gefällt, wenn sie es im Schwimmbad sehen. Wenn ICH damit zufrieden bin, dann strahle ich Selbstsicherheit aus, dann sehe ich mich gerne im Spiegel, dann bin ich stolz auf meinen Weg, dann benötige ich keine Korrektur. Ich will meinen Körper lieben. Zufriedenheit war schon als Kind mein oberstes Ziel (auch, wenn ich damals Lichtjahre davon entfernt war). Und das sollte es auch an diesem Tag sein.

Also Einatmen ... ich bin entspannt ... ausatmen ... ich bin mit meinem Körper zufrieden ... einatmen ... ich bin entspannt ... ausamten ... ich bin mit meinem Körper zufrieden. Das war SO entspannend, dass ich zwischendurch immer wieder eingenickt bin ;-)

Dann kam der junge Mann, den ich schon am Vortag im Wartezimmer getroffen hatte. OP direkt nach mir. Ich hatte bereits eine Stunde lang meine Affirmationen geatmet, das Plaudern mit ihm lenkte mich positiv ab, und wir hatten Spaß. 

Gegen etwa neun werde ich dann in den nächsten Saal gerollt. Der Anästhesist hat den gleichen Vornamen wie ich, da kann ja nichts mehr schiefgehen ;-)

Er spricht nicht direkt mit mir sondern zu einer Studentin. Erklärt ihr, was sie mich fragen muss, welche Dinge in der Akte stehen, warum dies und jenes so und so gemacht wird. Und dann fragt sie mich unter seinem wohlwollend lehrenden Blick all diese Dinge, schlägt in der Akte nach. Wir alle grinsen breit, das ist irgendwie witzig. Er drückt ihr eine Kanüle in die Hand und erklärt, wo und wie sie die am Handrücken für die Infusion legen muss. Ist okay, vor Spritzen habe ich keine Angst, und meine Venen sind eh alle gut sichtbar, da kann man nix falsch machen. Später stellt sich übrigens heraus, dass dieser Einstich keine Probleme verursacht, die andere vom Doc gelegte Stelle erzeugte ´nen blauen Fleck ;-)

Wärmekissen wird aufgepumpt. Sehr strange, draußen ist Sommer. Aber nachvollziehbar: bei der OP wird der Herzschlag stark verlangsamt, der Körper kühlt ab. Das Geräusch nervt, aber das warme Luftpolster fühlt sich angenehm an. 

Dann werde ich in den OP-Saal geschoben. Klettere auf den anderen Tisch. Der Anästhesist legt mir die Maske auf. Ich frage grinsend, ob man am Monitor erkennt, ob ich schlafe oder in Narkose bin, denn ich sei so müde, dass ich auch ohne Maske im Stehen wegpennen könnte. 

Die Schwester möchte mich ablenken vom Gedanken an die OP und meint, ob ich schon wisse, wovon ich träumen möchte. Ich bin Realist und sage, dass ich davon eh nichts mitkriegen werde in der Narkose. An ihrer Reaktion merkte ich, dass sie irritiert war über meine Antwort LOL. Sorry, in manchen Situationen außerhalb der Norm vergesse ich die Etikette und reagiere viel zu logisch, hätte ihr besser eine nette Floskel präsentieren sollen. 

Der Anästhesist legt mir die Maske auf. Angeblich soll man ja rückwärts zählen, aber so weit kommt es gar nicht. Ich bin weg, noch bevor ich einmal richtig eingeatmet habe ;-)

(Schnippelschnippel, schlitz, Blutlache, schlöööörp, flotsch, Cookiecutter, Fadenabrollen, Jodflasche umkippen ... hier bitte 70 Minuten OP-Geräusche einfügen)

Ich erwache im Aufwach-Raum. Mein erstes Wort lautet Wasser. Ohne bitte, ohne danke, ich kann noch nicht ganz denken, aber mein Hirn erinnert sich im Autopilot daran, dass es gleich vertrocknet ;-) 

Vermutlich waren es nur ein zwei Minuten, die ich auf das Wasser gewartet habe (logisch, die hatten noch viele anderen Leute im Aufwachraum), aber es fühlt sich an wie zehn Stunden. In dieser Zeit kann ein Körper ganz sicher fünzig Mal verdursten und vertrocknen, ich fühlte mich wie Schrumpelobst.

Zwei Becher Getränk. Konnte sie selbst halten, super! Manche erzählen, dass es ihnen schwerfiel. Und damals nach den Fibroadenomen konnte ich das tatsächlich auch nicht. Danach wurde ich durch das Gängelabyrinth 27 km weit bis in mein Zimmer geschoben. Fühlte mich auch schon relativ wach und fit, noch etwas beduselt aber ganz okay. 

Der Pfleger legte mich an eine Infusion, die fröhlich vor sich hintröpfelte. Aber recht bald wurde das entfernt, weil es mir sehr gut ging und ich das nicht länger benötigte. Habe mit dem Zimmergenossen geplaudert, der wirklich so nett war, wie er auf den ersten Blick wirkte. Dann kam der andere Mann, den ich schon getroffen hatte, er war noch etwas geschafft und noch nicht ganz so fit. 

Im Liegen war ich ziemlich fit. Plauderte, las meine Nachrichten am Handy, fühlte mich etwas müde aber ansonsten ganz normal. Als ich auf Toilette musste, sollte ich dennoch klingeln beim ersten Mal. Logisch, im Liegen dreht die Welt sich anders als im Stehen. Hinsetzen, Beine aus dem Bett baumeln lassen, Kopf nach oben, und dann ohne Stehenbleiben zügig laufen. Ich schaffte es alleine, war aber dankbar für das Backup des Pflegers. 

Danach schlief ich wieder. Der Eingriff hat den Körper doch ganz schön erschöpft. Abgesehen von Kennenlernen der Zimmernachbarn und Trinken bestand der Tag vor allem aus Schlafen und Dösen. Das zweite Mal ging ich alleine ins Bad. Klappte sehr gut. Allerdings habe ich mich ein wenig überschätzt: mein gesamter Oberkörper war gelb wie ein Simpson. Jod. Hatte keine Lust, meine Bettwäsche und meine private Kleidung einzusiffen. Also packte ich die Feuchttücher aus und begann mich an Armen, Schulter, Oberkörper, Hals, Nacken, Gesicht abzuwischen. Dauerte aufgrund der Einschränkungen etwas länger. Und führte dazu, dass mir dann so übel wurde, dass ich über der Schüssel hing. Also, rein symbolisch, ich hatte ja nichts im Magen. Irgendwie schaffte ich es aber zurück in mein Bett, und dort ließ ich es dann etwas langsamer angehen ...

Ansonsten, körperlich, fühlte ich mich gut. Auch, als die Schmerzmittel nachließen, verspürte ich keine Schmerzen. Konnte mich in angemessenem Rahmen auch sehr gut bewegen, zB bereits hinter mir überkopf das Kissen zurechtrücken, nach der Wasserflasche auf dem Tisch greifen, diese halten und führen. 

Und ich war glücklich. So unendlich glücklich. Keine Ahnung, was sich am nächsten Tag unter dem Verband abzeichnen würde, aber es war mir egal. Endlich frei!

Insgesamt ging es mir also sehr gut nach der OP. Allerdings stellte ich fest, dass die Narkose doch Spuren hinterlässt. Ich unterhielt mich mit dem Zimmernachbarn, und gegen Abend hatte ich das vage Gefühl "das hast Du schon mal gefragt". Teile der Unterhaltung gingen komplett verloren, und auch die Erinnerung ist nicht so ganz vollständig. Stellte das auch bei einem anderen jungen Mann fest, der ein paar Tage später direkt nach der OP zu uns kam und sich auch nicht mehr erinnern konnte. Wenn das schon nach 70 Minuten so wirkt, wie ist das dann erst bei OPs von 6 oder 7 oder mehr Stunden?!? Jedenfalls weiß ich, dass ich meinen Körper nicht öfter als notwendig unter das Messer legen werde!

2heartedman 21.06.2017, 09.11

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