two hearted man
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MEIN Problem, nicht Deins - oder: warum ich auf Arbeit stealth sein möchte

>Hier< habe ich geschrieben, warum ich weitgehend geoutet lebe. Aber auf Arbeit ist genau DAS der Grund, warum ich lieber stealth sein möchte (ungeoutet und nur als Mann). 


Ich wurde schon häufiger von Kollegen, Freunden oder Bekannten gefragt, warum ich überall offen damit umgehe, vor Kunden aber soviel Wert auf das HERR Salamander lege statt einfach direkt zu sagen, was Sache ist. Gefühlt war es mir klar. Aber ich musste länger überlegen, bis ich es formulieren kann. Hier also meine Gründe:

Wenn ich mit Kunden arbeite, soll es bei den Terminen um meine Kunden gehen. Nicht um mich. Ich möchte nicht, dass fremde Personen mir Fragen stellen, die sie davon abhalten, sich um ihre eigenen Probleme zu kümmern. Und eigene Probleme haben sie idR genug, da muss ich nicht noch ein zusätzliches Feld eröffnen (das noch dazu MEIN Feld ist und nicht deren Aufgabe). Ich werde dafür bezahlt, mich um die Probleme anderer zu kümmern. Nicht, um eigene Probleme anzusprechen. 

Es gibt einige wenige Ausnahmen, bei denen ich beruflich geoutet bin. Das sind Leute, bei denen ich erkenne, dass mein Thema auch das ihre ist. Unter anderem ein junger Mann in der Selbstfindung, den ich treffe, der ein persönliches Interesse hat und bei dem ich mich nach seiner sehr höfliche Frage sofort geoutet habe. Wenn es ihm hilft, sich über sich selbst klar zu werden, indem er mit mir darüber spricht, dann können wir gerne darüber reden. Nicht persönlich über mich, sondern allgemein, wenn Geschlecht und Körper und Neigung nicht stimmig sind. Sein Thema: wie kann er Offenheit lernen, wenn er mich vollauf respektiert aber dennoch irritiert ist von den unterschiedlichen Signalen meines Körpers. Er spricht dieses Irritation offen an, und das ist für mich in Ordnung, ich mag diese Ehrlichkeit.

Dazu kommt: ich habe anderes zu tun, als immer den ganzen Tag nur über mich zu reden. Als ständig zu erklären, wer und was ich bin. Das ist ermüdend und anstrengend. Wenn ich arbeite, möchte ich mich gerne auf etwas anderes konzentrieren. Es tut einfach verdammt gut, mal an andere Dinge zu denken statt immer nur an mich! Ich reflektiere im Blog und in Gesprächen und auf Therapie, ansonsten will ich bitte auch mal frei haben! Aber durch das Outing stehe ich im Alltag sehr oft im Mittelpunkt. Ich mag so etwas gar nicht, das ist mir unangenehm. Bin dankbar, wenn ich wenigstens auf Arbeit mal einfach der Herr Salamander bin und gut aus Ende. 

Jeder reagiert anders auf ein Outing. Ich komme mit allem klar, denn wenn mich etwas stört, sage ich "will ich nicht beantworten" oder "kannste selbst googeln" oder "sorry, zu intim, darüber rede ich nicht". Normalerweise kommen solche Fragen nicht. Die Menschen, mit denen ich im Alltag verkehre, sind sehr respektvoll und wissen, dass es Fragen gibt, die man einfach nicht stellt. Sie wissen und spüren, dass ich transIDENT bin. Meine Kunden sind oft etwas einfacher gestrickt. Nicht alle, aber bei den meisten vermute ich, dass sie eher den Aspekt transSEXUELL sehen und bei "sexuell" nicht an das englische Wort "Sex" (Geschlecht) denken, sondern an Sex i.S. von Geschlechtsverkehr. Ja, es kann mir egal sein - aber trotzdem will ich nicht, dass mein Kunde sich vorstellt, was ich zwischen den Beinen habe, ob ich mit einem Mann oder einer Frau ins Bett steige und wie der Sex mit mir wäre. 

Viele Kunden haben untereinander Kontakt. Andere nicht. Es kann also je nach Person passieren, dass wenn ich es einem sage, es dann sehr viele andere wissen, die sich wieder untereinander austauschen. Ich kann es nicht kontrollieren. Wenn es rauskommt, dann ist es eben so, und dann stehe ich dazu. Aber ich will das Thema irgendwann mal hinter mir lassen. 

Zudem: Einen Kollegen sehe ich die nächsten Monate, vermutlich Jahre. Meinen Nachbarn ebenso. Auch die Leute, bei denen ich mich oute. Einen Kunden sehe ich manchmal nur einmal, zweimal, dreimal. Dann oute ich mich vor dem Kunden, der macht ein Fass auf, erzählt es überall rum, stellt mir intime Fragen oder was weiß ich. Und wofür - für nix, dafür dass er mich einmal oder zweimal gesehen hat. Nope, muss nicht sein! Und falls es sich dann in einem langfristigen Kontakt ergeben sollte, kann ich ja erneut drüber nachdenken, ob ich mich oute, dann ist die Situation nämlich eine andere, vertrauensvollere.

Wenn ich irgendwann mal komplett aussehe wie ein Mann und 100 Prozent Passing habe, werde ich es auch nicht mehr jedem neuen Menschen sofort unter die Nase reiben, sondern erst wenn sinnvoll oder notwendig. Bis dieser Punkt erreicht ist, wird es eine lange Zeit des Übergangs geben, der unklar ist. Und bis dahin ... hab ich das gerne selbst in der Hand ;-)

2heartedman 06.03.2017, 21.06

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