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Besuch beim HNO-Arzt

Endlich habe ich eine Verordnung für Logopädie. Um diese zu bekommen, hatte ich einen Termin beim HNO-Arzt. War ein ziemlich spannender Termin!

Ich hatte ja erwartet, dass ich zur Ärztin gehe, meine Story abspule (Outing, Therapie, Namens- und Personenstandsänderung, Hormone, Operation --> trans genug, um als Mann durchzugehen) und dann ohne Umwege eine Verordnung bekomme. Schließlich habe ich null Stimmpassing, das würden sie ja hören. 

Umso überraschter war ich, dass sie dann doch haufenweise Untersuchungen machten. Ob das Standard ist, oder ob es ungewöhnlich war, weiß ich nicht. Jedenfalls war schnell klar, dass viele Transfrauen Logopädie beantragen, Transmänner aber kaum. Und dass ich bei ihnen wohl der erste Mann mit diesem Anliegen war. Mir scheint, sie fanden das recht spannend ;-)

Sie boten auch an, dort in der Klinik Logopädie zu machen, haben ja Erfahrung mit Trans. Aber sie verstehen, dass ich zu einer anderen ebenso erfahrenen Dame hier vor Ort gehe (die Klinik ist recht langer Anfahrtsweg, die Logopädin direkt vor Ort). Aber sie freuen sich, wenn ich nach den Sitzungen wieder vorbeikomme, damit sie noch einmal untersuchen können und neue Aufnahmen machen. Und für mich ist das auch okay, denn es war spannend, was sie alles gemessen und erklärt haben. 

Zuerst wurden die Stimmbänder geprüft: Zunge raus, mit den Fingern festhalten, langer Stab mit Kamera bis nach hinten. Bäh, konnte ich nicht, Würgereiz war zu stark. Also andere Methode: Langer dünner Schlauch mit Kamera in die Nase. Auch blöd, der erste Versuch klappte nicht, zu eng, also andere Seite. Glaubt mir, das fühlt sich richtig eklig an, wenn man einen Schlauch durch die Nase bis in den Rachen geschoben bekommt. Und tut auch ein bisschen weh *snief*. 

Ergebnis: normale, gesunde Stimmbänder. Weibliche Anatomie. Seufz, zwei Jahre Testo, und noch immer weibliche Stimmbänder. Das ist nicht schön :(

Dann ging es ans Sprechen. Während wir uns unterhielten, spielte sie ein paar Töne am Klavier, um meine Tonlage zu bestimmen. Sie meinte, das sei aktuell im Gespräch eine männliche Tonlage, zwar oberes Spektrum aber klar männlich. 

Danach dann musste ich vor das Mikrofon. Leise und laut zählen. So laut als möglich jemanden rufen. Einen Text vorlesen. Tonleiter ab normal so tief als möglich absteigend, dito aufsteigend. Ein paarmal auf verschiedene Weise aaaaaa und iiiii. 

Ehrlich gesagt ist mir das total unangenehm. Ich mag es gar nicht, so laut zu reden. Und solo zu singen war mir schon immer peinlich, jetzt mit wegbrechender Stimme gleich doppelt. Und dann auch noch laut zu rufen, sodass man es womöglich auf der ganzen Etage hört. Lautbildung ohne Worte, das fällt mir auch schwer. Es war eine verdammt große Überwindung für mich, und ich blieb weit hinter meinen Möglichkeiten zurück, weil ich mich nicht traute so offen zu artikulieren. Sprechen ist mir inzwischen einfach nur noch peinlich. Aber ich wusste, dass genau das mich erwarten würde, denn darum geht es ja. 

Interessant war auch, als ich feststellte, dass ich meine Tonlage eigentlich gar nicht mehr kenne. Als sie sagte "ab der normalen Sprechlage bitte abwärts / aufwärts singen" war ich völlig ratlos. Kopfstimme? Bauchstimme? Hoch? Tief? Wie rede ich eigentlich, wenn ich normal rede ohne nachzudenken? Und wie klingt das? Ich glaube, ich kann gar nicht mehr sprechen, ohne nachzudenken. Die Leichtigkeit ist verlorengegangen. Manchmal, wenn ich den Mund aufmache, weiß ich nicht, wie das Ergebnis klingen wird, das verunsichert mich im Alltag. Einer der Gründe, warum ich inzwischen so verkrampft bin.

Die Ärztin stellte jedenfalls fest, dass ich im männlichen Bereich deutlich ausgeprägter sei. Aber man würde erkennen, dass die Stimme dann, sobald sie deutlich männlich ist, noch wegsackt (Stimmbruch eben). Außerdem klänge es auch nach jungem Mann, dessen Sprache sich noch nicht der Anatomie angepasst hat. 

Ich bin etwas traurig, dass ich scheinbar hinter meinen Möglichkeiten zurückgeblieben bin im Alltag. Verstehe aber, warum das so ist und wie das vermutlich passieren konnte. Dass ich trotz noch immer weiblicher Anatomie bereits eine männliche Tonlage habe, macht mir dagegen Mut. Testo wird sicher seinen Teil dazu beitragen, dass es noch besser wird. 

Sie waren jedenfalls überzeugt, dass Logopädie mir helfen könne, männlicher zu klingen und meine Stimme zu verbessern. Eine Verordnung hierzu stellten sie mir gerne aus. 

HAPPY! :-)

2heartedman 17.01.2018, 22.08

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