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Ankunft nach langer Odysee

Inzwischen bin ich von der Spritze wieder zurück auf Gel.

ANMERKUNG wie üblich bei diesen Themen: ich bin kein Mediziner. Das hier ist kein Rat, wer welches Präparat verwendet oder was wir bei wem wirkt. Was bei mir gut oder schlecht ist, kann für den anderen genau das Gegenteil sein. Es geht hier nur um mich und meine persönliche Erfahrung.

Spritze hatte geholfen, als ich zuvor mit Gel teilweise unterdosiert war, da meine weiblichen Hormone sich einfach nicht kleinkriegen ließen und ständig gegensteuerten. Das führte zu drei Jahren fiesen Wechseljahresbeschwerden und war (untertrieben formuliert) sehr unschön. Es war eine große Belastung für den Körper und irgendwann auch für die Psyche. 

Die Spritze half, dass das besser unter Kontrolle war und das Testo endlich wirken konnte. Zumindest zu Beginn des Drei-Monats-Turnus. Aber diese drei Monate waren dennoch sehr unangenehm: 

Zu Beginn des Depots war mein Testo extrem hoch. Der Körper reagierte ein paar Tage mit Durchfall. Außerdem war ich übermäßig aktiv, schaufelte mir tausende Termine in den Tag, brauchte kaum Schlaf, war völlig aufgedreht, kaum zu stoppen, total euphorisch. Das normalisierte sich dann schrittweise, und etwa sechs Wochen ging es mir recht normal, diese Zeit habe ich immer sehr genossen, endlich alles wie es sein sollte. Danach ging es abwärts, ich bekam nach und nach Schlafstörungen, Albträume, wurde gereizt, bekam Fressanfälle, meine Laune sank in den Keller, die letzten Tage fühlte es sich an wie damals in meiner schlimmsten depressiven Phase, ich verkroch mich daheim und hatte keine Lust mehr aufs Leben und keine Hoffnung und keinen Antrieb. Dann die Spritze, und das Spiel ging von vorne los. Und mittendrin hatte ich wegen des ständig schwankenden Spiegels immer wieder Wechseljahresprobleme, weniger als mit Gel, aber immer noch genug, um den Alltag zu belasten und mich in blöde Situationen zu bringen.

Die weiblichen Hormone waren dann mit Spritze anfangs wieder unterdrückt, aber gegen Ende des Zyklus kam alles wieder voll durch. Also hatte ich mich ja für die Operation entschieden. Und seitdem sind meine männlichen und weiblichen Hormone so, wie sie für einen gesunden Mann meines Alters sein sollen. 

Ich bevorzuge die Kontrolle über meinen Pegel und liebe auch das tägliche Ritual des Gelens. Trotzdem ist die Spritze schon praktisch und spart viel Zeit und Stress. Also habe ich es noch ein paar Zyklen probiert. Es war nicht mehr so schlimm, denn zumindest die weiblichen Hormone fielen weg und Testo konnte endlich stabil arbeiten. Trotzdem hatte ich noch die Schwankung: anfangs euphorisch und hyperaktiv, irgendwann normal, und dann abwärts in die Depression. 

Es gibt viele, die mit Spritze prima unterwegs sind. Die mit den Schwankungen klarkommen und es genießen, sich nicht täglich Gedanken über ihre Medikamente machen zu müssen. Aber mein Körper reagiert einfach zu empfindlich auf dieses Auf und Ab.

Und dann war ja noch die Anpassung der Schilddrüse, die auch ständig dazwischengefunkt hat. Die spielt da auch noch mal sehr deutlich mit rein in das ganze Chaos.

Also bin ich zurück auf Gel. Ich habe noch keine erste Auswertung, es ist erst zwei Monate her (drei Monate sind der Zyklus, in dem ich kontrollieren lasse und Rezepte bekomme). Aber dass weibliche Hormone weg sind, ist klar, die kommen nicht wieder. Ich habe also nur noch Testo. Und das nicht mehr schwankend sondern täglich stabil. Und ich fühle mich pudelwohl. So wohl wie noch nie seit Beginn meiner Hormontherapie. Meine Stimmung hängt nicht ab von wechselnden Hormonspiegeln, sondern von den äußeren Umständen und meinen tatsächlichen Gefühlen. Die Fitness meines Körpers ist nicht mehr abhängig von Schwankungen sondern von meinem achtsamen Umgang mit Ernährung, Training und Alltag.

Ich hoffe, dass das auch weiterhin so bleiben wird. Aber ich vermute, dass ich endlich bei der richtigen Hormontherapie für mich angekommen bin.  

2heartedman 16.11.2019, 13.05

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